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Dienstag, 27. Juli 2010, 00:59

Ein brüchiger Frieden

Freunde werden Michael Skibbe und Ioannis Amanatidis nicht mehr. Und ein wirkliches Vertrauensverhältnis besteht zwischen dem Trainer der Frankfurter Eintracht und dem erfahrenen Stürmer auch nicht. Das gilt für die vergangenen Monate. Aber auch für die Gegenwart, etwa vier Wochen vor dem Beginn der neuen Bundesligasaison. Seitdem Skibbe, damals gerade ein paar Wochen bei der Eintracht, vor einem Jahr Amanatidis als Spielführer abgesetzt hat, ist das persönliche Verhältnis gestört. Der Mannschaft hat dies in der vergangenen Saison nicht geschadet. Skibbe hatte Amanatidis zwar das Vertrauen als Kapitän entzogen, ihn aber sportlich nicht in Frage gestellt. Und Amanatidis hat professionell gearbeitet, solange es seine Gesundheit zuließ. Erst eine schwere Knieverletzung, die eine zweite Operation wegen eines Knorpelschadens nach sich zog, stoppte den griechischen Nationalspieler im Spätherbst. Danach hatten Trainer und Spieler fast ein halbes Jahr nicht mehr viel miteinander zu tun. Skibbe führte die Eintracht überraschend gut durch die Saison, Amanatidis arbeitete an seinem Comeback.

Diese Vorgeschichte ist wichtig, um das aktuelle Spannungsverhältnis zu verstehen, das zwischen den beiden herrscht. Befeuert wurden die gegenseitigen Zweifel am Ende der vergangenen Saison, als es um Amanatidis’ Comeback noch nicht so gut aussah. Der Spieler quälte sich beim Training mehr schlecht als recht über den Platz, er war zwar gesund, aber längst nicht fit – was niemanden nach seiner Leidensgeschichte überraschen konnte. Beim Heimspiel gegen Hoffenheim am 1. Mai wurde er dennoch vom Trainer ins Aufgebot berufen. Doch was als aufmunternde Geste gemeint war, endete im nächsten Missverständnis. Als die Eintracht beim Stand von 1:2 in den Schlussminuten um den Ausgleich kämpfte, wurde nicht Amanatidis eingewechselt, sondern Marcel Heller. Der frühere Kapitän reagierte ungehalten, warf Schienbeinschützer und Schuhe wütend auf den Boden. „Ich habe keine Ahnung, warum der Trainer mich nicht gebracht hat, ich habe mich gewundert, wie alle anderen auch“, sagte er damals. „Ich dachte, wenn überhaupt, dann kommt noch einer rein, der vorne drin für Gefahr sorgen kann. Aber dann kam ein Außenspieler.“ Skibbe zeigte „überhaupt kein Verständnis“ für die Kritik.

Die Retourkutsche kam zwei Wochen später. Amanatidis verzichtete auf die Freundschaftsspielreise der Eintracht nach Vietnam am Ende der Saison. Während er zu Hause an der Verbesserung seiner Fitness arbeitete, wurden aus Vietnam Tag für Tag hauptsächlich über eine Boulevardzeitung, der er seit mehr als einem Jahr jedes Interview verweigert, Meldungen kolportiert, seine Karriere stünde vor dem Ende. Angeblich habe er einen Termin bei seinem Operateur zur Kernspintomographie geschwänzt, und es gebe eine „Verstimmung“ zwischen ihm und dem Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen. Amanatidis war wieder wütend. Alle Vorwürfe seien „erstunken und erlogen“, sagte er. Unausgesprochen blieb der Vorwurf, dass hinter den Attacken der „Bild“-Zeitung auch der Trainer
stehen könnte, der seinerseits versuchte, mit einem möglichen Karriereende von Amanatidis Druck auf den Vorstandschef auszuüben, den Vertrag mit Halil Altintop zu verlängern. Eine komplizierte Gemengelage, welche die gegenseitige Abneigung weiter gefördert hat. Zumal Amanatidis damals – rückblickend auf
Hoffenheim – in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung verblüffend offen und kritisch über das Verhältnis von Trainer und Zeitung sprach, so wie er es
sieht: „Der Trainer hat sich ja in diesem Schmuddelblatt geäußert und sich über meine Reaktion beschwert. Scheinbar hat er einen guten Draht zu denen.“

Wiederbegegnet sind sich die beiden beim Trainingsstart am 5. Juli. Seitdem versucht sich der stolze Grieche zu positionieren. Mit überraschend starken Leistungen beim Training, aber auch mit Aussagen in Interviews, die nicht überall auf Begeisterung stoßen. „Wenn ich fit bin, dann spiele ich auch, da kann kommen, wer will“, sagte Amanatidis in der „Frankfurter Rundschau“. Er sieht sich damit so, wie der Vorstandsvorsitzende auch – als den „besten Stürmer“ der Eintracht. „Ich
verstehe Fußball und kann Fußball“, fügter er hinzu.

Beim Training geht er keinem Zweikampf aus dem Weg, ganz so, als wolle er nicht nur dem Trainer und der Öffentlichkeit, sondern auch sich selbst beweisen, dass das Knie hält und dass den Worten Taten folgen. Eine Einschätzung, die er bestreitet. Er müsse niemandem etwas beweisen, denn: „Es wissen doch alle, was ich in der Lage bin zu leisten, wenn ich gesund bin.“

Skibbe geht in diesen Tagen betont vorsichtig mit der Personalie Amanatidis um. So hat auch er bei allen möglichen Ressentiments keine Zweifel an der Klasse des Spielers. „Ioannis hat große Qualitäten“, sagt er. Womöglich liegt die Zurückhaltung auch daran, dass er sich nicht unnötig mit seinem Chef anlegen will. Denn Heribert Bruchhagen hat seine Wertschätzung für Amanatidis schon mehrfach öffentlich bekundet. Ob eine dauerhafte Befriedung des Verhältnisses zwischen Trainer und Star möglich ist, wird wohl auf dem Platz entschieden. Kann Amanatidis bestätigen, was er derzeit auf dem Platz andeutet, ist er unverzichtbar. Hält das Knie, wird auch der brüchige Frieden mit dem Trainer halten.

FAZ / Josef Schmitt
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Mister X

Super Moderator

2

Dienstag, 27. Juli 2010, 18:29

auch die FAZ ist ein Medium und hier stoßen Vorwürfe hoch, die ich etwas unrealistisch halte, wie zum Beispiel das "Benutzen" der BILD von Skibbe, um Druck auszuüben...
Ioannis wird alles in Allem nicht gerade gestärkt hierdurch. Die ganze Lage ist allerdings auch nicht einfach.
Nehmt euch bei der Hand, Schwamm drüber.
Gruß,
Mister X

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Dieter

Fortgeschrittener

3

Donnerstag, 29. Juli 2010, 16:41

Wenn Ioannis seine Leistung in den ersten Spielen bringt, die er im Training angedeutet hat, wird Skibbe nicht drumrum kommen mit Ioannis zu spielen!!Man sollte auch nicht vergessen, dass Ioannis eine große Lobby bei den Fans hat..........
:thumbsup:
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