Ioannis kommt zurück
Ioannis Amanatidis kommt zurück – noch nicht in die Mannschaft, aber immerhin schon mal nach Frankfurt. Der griechische Stürmer, der sich nach seiner Knie-Operation am 9. November 2009 in der Reha befindet, äußert sich im Interview zu seiner eigenen Situation und den Perspektiven von Eintracht Frankfurt.
Seit 2009 bist du die ganze Woche über im Reha-Zentrum in Donaustauf. Wann wirst du wieder bei der Mannschaft sein?
Ioannis Amanatidis: Ich habe jetzt mit dem Lauftraining begonnen, noch auf dem Laufband. Das ist ein Schritt nach vorn. In zwei Wochen werde ich meine Reha in Frankfurt fortsetzen. Das ist wieder ein Schritt. Wann ich wieder mit der Mannschaft trainieren werde, muss man sehen. Es gibt von keiner Seite Druck und den mache ich mir selbst auch nicht.
Wie sieht ein Tag in einem Rehazentrum für dich aus?
Langweilig wird es nie. Ich bin von 10 Uhr morgens bis in den späten Nachmittag mit allen möglichen Übungen beschäftigt: Krafttraining, Koordinationsübungen, Aquajogging, Kinetik, jetzt die ersten Lauftrainings … bis auf das Mittagessen gibt es keine Zeit zum Ausruhen. Jeden Tag forciere ich die Belastung ein bisschen mehr. Und bisher habe ich damit auch keinerlei Probleme.
Du hast den Ort deiner Reha ja bewusst gewählt, um „weg vom Schuss“ zu sein. Fehlt dir nicht manchmal etwas Abwechslung?
Nein. Ich bin am Ende jedes Tages ziemlich ausgepowert und froh, dass ich mich hier auf das Wesentliche konzentrieren kann. Alle Anfragen für Termine habe ich in den letzten Wochen guten Gewissens abgelehnt und ausschließlich das gemacht, was für mein Comeback notwendig ist. Außerdem bin ich ja nicht allein. Es gibt ja viele Sportler vor Ort, auch Fußballer aus der 1. und 2. Liga. Ich vereinsame also nicht. Trotzdem ist es schön, in zwei Wochen wieder in Frankfurt zu sein.
Gab es in dieser Zeit irgendwann mal einen Punkt, an dem du gedacht hast: „Es geht nicht mehr weiter mit dem Fußball?“ – vor allem vor dem
Hintergrund des Karriereendes deines ehemaligen Mitspielers Christoph Preuß?
Das war nie eine Frage, die ich mir gestellt habe. Dazu hatte ich auch keinen Anlass. Die Reha ist bislang ohne jede Komplikation verlaufen und es gibt keinen Hinweis darauf, dass sich welche einstellen könnten. Die Geschichte von Christoph Preuß ist mit meiner nicht vergleichbar. Bei ihm ist es eine traurige Sache, die mich natürlich auch nicht kalt gelassen hat.
Die letzten Leistungen und die Ergebnisse deines Clubs waren erfreulich. Trotzdem warnt Michael Skibbe davor, vom internationalen Geschäft zu reden. Ist das ein bisschen Understatement?
Ich sehe die Entwicklung ähnlich wie der Trainer. Wir haben eine gute und intakte Mannschaft, aber wir sind weder reif noch gefestigt genug, um schon höhere Ansprüche zu stellen. Dafür fehlt uns noch einiges. Nach den nächsten Auswärtsspielen in Hamburg und Stuttgart wird sich zeigen, ob wir schon standfest genug sind, um uns mittelfristig etwas weiter nach oben orientieren zu können. In jedem Spiel sind drei Punkte zu verteilen und die Konkurrenz schläft auch nicht. Da verliert man schnell wieder ein paar Plätze. Ich glaube, wir sollten den Ball erst einmal flach halten.
Teilst du auch die Meinung deines Trainers, dass weitere
Verstärkungen notwendig sind oder bist du eher auf der Seite von Heribert
Bruchhagen, der eher die wirtschaftliche Stabilität des Vereins in den
Vordergrund stellt?
Es ist nicht meine Aufgabe, mich dazu zu positionieren. Dafür sind andere da. Grundsätzlich glaube ich, dass wir eine gute Truppe beisammen haben und mit den Verpflichtungen von Pirmin Schwegler, Selim Teber, Maik Franz und Halil Altintop in dieser Saison sehr gute Zugänge hatten. Alle sind Stammkräfte, über deren Qualität braucht man also nicht zu reden. Ob wir für die nächste
Spielzeit weitere Spieler brauchen, müssen andere beurteilen und entscheiden.
Auffällig ist, dass in letzter Zeit wenig Spieler aus der eigenen Jugend nachrücken.
Das sehe ich nicht so. Es kommen immer wieder Spieler von unten nach oben. Patrick Ochs kommt aus dem eigenen Nachwuchs, Marco Russ ebenfalls. Sebastian Jung hat sich in die erste Mannschaft gespielt, Jungs wie Alvarez oder Tsoumou sind im Kader. Ich glaube, da täuscht der Eindruck.
Gerade die Letztgenannten kamen aber trotz der Stürmermisere der vergangenen Monate nicht zum Zug …
Jeder junge Spieler braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Es gibt genügend Beispiele dafür, dass die Nachwuchsförderung im Verein sehr ernst genommen wird.
Auf welchem Tabellenplatz steht die Eintracht am Saisonende?
Wenn wir die nächsten schweren Aufgaben gut bewältigen, könnten wir am Schluss etwas weiter oben stehen als in letzten Jahr. Das war immer unsere Ambition, da wollten wir hinkommen. Aber aus der derzeitigen Platzierung lässt sich nur bedingt etwas ablesen. Warten wir mal ab, ob wir ohne weitere schwer wiegende Ausfälle über die Runden kommen. Das wird nicht ganz unwichtig sein.
Peter Hermanns
Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Peter« (19. Februar 2010, 16:09)